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BMC-Vision 2010: kreativer, zukunftsorientierter Reformentwurf
Unmittelbar nach der Bundestagswahl, abseits vom Parteienstreit des Wahlkampfs, präsentiert eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe des Bundesverbandes Managed Care e.V. am 26. September 2002 in Berlin ein Modell zur Reform des deutschen Gesundheitssystems. Leitidee der BMC-Vision 2010 ist der verantwortliche und wache Bürger.

Ziel war, frei von einengenden Denkverboten, Ideologien oder Tabus einen in sich schlüssigen Gesamtentwurf vorzulegen, ohne die Fragen der Detailumsetzung aus heutiger Sicht an den Anfang zu setzen. "Der Zweck dieser Vision ist, ein Zukunftsbild als mögliche Option für die Gestaltung unseres Gesundheitssystems zu entwerfen, an der die notwendigen Schritte zur Systemoptimierung ausgerichtet werden können." [BMC-Vision 2010 – Teil 1, Seite 6]

Zentrale Forderungen und Ideen werden im Folgenden – aus den BMC-Unterlagen zitiert –, zusammengefasst vorgestellt.


Im Abstract "BMC-Vision 2010 – kurz und bündig" fordert der BMC die gesundheitspolitisch Verantwortlichen der 15. Legislaturperiode auf, umgehend folgende Schritte einzuleiten:

• Definition einer einheitlichen Telematikplattform für das Gesundheitswesen

• Ableitung von Standards für Kommunikation und Dokumentation medizinischer Informationen

• Zulassung neuer Finanzierungsformen zum Aufbau der neuen Kommunikationsinfrastruktur

• Gründung einer nationalen Stiftung für Prävention und Gesundheitsförderung, Finanzierung der Stiftung unter anderem durch Zweckbindung der Verbrauchssteuern auf Tabak, Alkohol, etc.

• Definition und Etablierung der Coachingfunktion

• Schaffung neutraler Mechanismen zur Zertifizierung, Evaluation und zum Innovationsassessment

• Definition von zukünftigen Kooperationsformen für die medizinische Leistungserbringung

• Förderung sektorenübergreifender Versorgungsformen

• Entwicklung eines transparenten, leistungsgerechten und kooperationsfördernden Honorierungskonzeptes

• Integration der Krankenversicherungselemente der Rentenversicherung und der Pflegeversicherung in die Krankenversicherung

• Definition der Wahloptionen der Versicherten der GKV jenseits des einheitlich bestimmten Leistungsspektrums

• Einführung einer qualifizierten Gesundheitserziehung in allen Ausbildungsstufen


In seinem Statement führt Dr. Wolfgang Klitzsch , Mitglied des Vorstandes des BMC, die wesentlichen Elemente der BMC Vision 2010 und ihres Instrumentariums aus:

• Konsequente Ausrichtung auf Prävention, Gesundheitsförderung und Salutogenese [die Frage nach der Entstehung und die Förderung von Gesundheit]. Bereits im Kindergarten und in der Schule muss langfristiges, investives Denken der jungen Mitbürger entwickelt werden.

• Das institutionalisierte und professionalisierte Gesundheitswesen neigt dazu, den Patienten zum Objekt hochspezialisierter Leistungen zu machen und ihn potentiell zu entmündigen. Dies entwertet sein eigenes Potential zur Selbststeuerung. Alle Prozesse sind nach Auffassung des BMC so auszurichten, dass sie die Selbststeuerungs- und Selbstverantwortungskapazität des Einzelnen fördern und erhalten.

• Alle bisherigen Formen der Integration und Kooperation im deutschen Gesundheitswesen sind weitgehend gescheitert. Der BMC fordert eine konsequente informationelle Integration über entsprechende Technologien, für die erste Konzeptionen im Verbandsbereich entwickelt worden sind. Das auf den Einzelnen bezogene Leistungsgeschehen wird transparent, Widersprüche und Gefahren weitgehend ausgeschlossen. Das Risiko des "Gläsernen Patienten" entsteht deshalb nicht, weil der Patient die unterschiedlichen Zugangsberechtigungen aller Akteure selbst bestimmt und zu jeder Zeit Herr seiner Daten bleibt.

• Der BMC plädiert dafür, die Solidarität, die es zu erhalten gilt, die aber in weiten Bereichen überdehnt und entartet ist, wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen. Unser Gemeinwesen hat dazu beigetragen, dass die Bürger überzogene Erwartungen an die sekundären Hilfesysteme entwickelt haben, nachdem die primären, sozialen Beziehungen in der Realität des Einzelnen an Bedeutung verloren haben. Nicht alles an Befindlichkeitsstörungen und nicht jede Inanspruchnahme entspricht dem Grundgedanken der solidarischen Absicherung des Risikos Krankheit. Es überfordert unsere Gesellschaft, wenn jedes individuelle Problem ohne Not vergesellschaftet wird.

• Der BMC fordert eine konsequente Ausrichtung der Steuerung der gesundheitlichen Versorgung an klug gesetzten finanziellen Anreizen (präziale Steuerung). Er fordert darüber hinaus eine systematische Entnormung des nicht einmal für Experten mehr überschaubaren Medizinrechts. Die Bürokratisierung hat zu massivem Schaden in der Motivation der Leistungsbereiten geführt und senkt die Leistungsfähigkeit des Gesundheitswesens insgesamt.

• Der BMC fordert die Einsetzung eines Begleiters, Anwalts, Coachs des Patienten, der seine Rechte und seine Interessen wahrnimmt, das Leistungsgeschehen überblickt, mit ihm Zielvereinbarungen trifft, ihn berät und die Fülle der Dienstleistungen in seinem Sinne ordnet. Dies kann der Allgemeinmediziner sein. Lebensphasenspezifisch aber auch der ihn hauptsächlich betreuende Dienstleister/Facharzt. Dieser Coach muss zusätzliche Qualifikationen zur Koordination erwerben und erhält eine angemessen Vergütung.

• Der BMC spricht sich explizit dafür aus, das Image des deutschen Gesundheitswesens nicht weiter kaputt zu reden, die Wachstumspotentiale zu fördern und die Motivation der Leistungsträger zu stärken. In allen Bereichen sind erhebliche Verschlechterungen in den letzten Jahren eingetreten.
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