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Boykott und Gegenboykott
Von Rolf Hofmann
Die heutigen Tageszeitungen sind voll von der Horrormeldung: Ärztevertreter rufen zum Boykott auf. Drohungen, an die Bundesgesundheitsministerin gerichtet, werden von dieser postwendend mit Gegendrohungen beantwortet. Manfred Richter-Reichhelm, Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), warnt mit der Macht der Ärzte. Worüber haben die Macht? Über diejenigen, die sie behandeln, ist seine Antwort. Und der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, setzt noch eins drauf: "Wenn Schmidt die Probleme allein auf dem Rücken von Medizinern, Arzthelferinnen und Krankenschwestern lösen will, werden wir notfalls das ganze Gesundheitssystem lahm legen", wird er in der Berliner Zeitung zitiert. Nur das unbedingt Erforderliche solle getan werden. Der Vorsitzende des Klinikärzte-Verbandes Marburger Bund, Frank Ulrich Montgomery, äußerte sich ähnlich.

Man kann zur Bundesgesundheitsministerin stehen, wie man will, aber hier sollte sie endlich Zähne zeigen. Die Front der Lobbyisten muss aufgebrochen werden. Die der Pharma, der Ärztevertreter, der Kassen, der Gewerkschaft – all diejenigen, die nach Veränderungen schreien, nur bitte nicht zu ihren Lasten.

Was wir in Deutschland brauchen, ist eine Gesundheitsreform, die nicht im Konsens mit den Verbänden entstanden ist, sondern sich allein an den Interessen der Bürgerinnen und Bürger und an dem solidarisch Machbaren orientiert. Was sollen all die Drohgebärden, Barrikaden, Streiks, Boykottaufrufe? Die Bürger, die Versicherten, die Patienten werden hier in Haftung genommen.

Was aber, wenn die Vertreter der Ärzteschaft, der Kassen- wie der Klinikärzte, das Angedrohte wahr machten und nur noch das Notwendige behandeln? Sehen sie nicht die selbstgeschaufelte Grube, in die sie fallen können, wenn uns allen auf einmal bewusst würde, was wirklich notwendig und gut für unsere Gesundheit ist und was nicht?

Mir schwebt ein Boykott in dieser Richtung vor: Mitbürgerinnen und Mitbürger, heilen wir unsere einfachen Wehwehchen doch einige Zeit mal nur mit Großmutters Hausmitteln, mit Sport, gesundem Leben und gesundem Essen. Das tut unserer Gesundheit gut, entlastet unser Solidarsystem und zeigt all denen, die an dieser ganzen Geschichte bisher nicht schlecht verdient haben, was und wieviel wirklich notwendig ist.

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