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„Neue Arzneimittelleitlinie in der Onkologie soll wichtige Indikationen für Krebsmedikamente benennen“
Prof. Dr. Klaus Höffken, Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft e. V.
Der Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft verweist darauf, dass die derzeit gültigen Arzneimittelrichtlinien die Gefahr der Unterversorgung bei der medikamentösen Behandlung von Tumorerkrankungen in sich bergen. In der Versorgung Krebskranker drohten somit Defizite durch qualitativ minderwertige Therapieverfahren. Die neue Indikationsliste sollte einen wichtigen Beitrag zur Qualitätssicherung in der Onkologie leisten.

Die Deutsche Krebsgesellschaft hat wiederholt erklärt, dass Krebs in 10 Jahren die häufigste Todesursache sein wird, wenn nicht energische Maßnahmen getroffen werden, um die Defizite in der Versorgung von Krebskranken zu beheben.
Ein besonders problematischer Bereich besteht in der Verordnung von verkehrsfähigen Arzneimitteln in der vertragsärztlichen Versorgung.
Nach § 2 des 5. Sozialgesetzbuches haben die Leistungen der Krankenkassen, also auch die verordneten Arzneimittel, dem allgemeinen Stand der medizinischen Erkenntnisse zu entsprechen. Die Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein. Die derzeit gültigen Arzneimittelrichtlinien in der Fassung vom 31. August 1993 lauten im Abschnitt 12: „Für die Verordnung von Arzneimitteln ist der therapeutische Nutzen gewichtiger als die Kosten. Dabei ist auch die für die Erzielung des Heilerfolges maßgebliche Zeit zu berücksichtigen. Erprobungen von Arzneimitteln auf Kosten des Versicherungsträgers sind unzulässig. Dies gilt auch für die Erprobungen nach der Zulassung des Arzneimittels.“

Mit der derzeit gültigen Fassung der Arzneimittelrichtlinien besteht insbesondere bei der medikamentösen Behandlung von Tumorerkrankungen die Gefahr der Unterversorgung. Dies gilt für die Behandlung von erwachsenen Krebskranken in ca. 40-60%, in besonderen Maße aber für die Behandlung von krebskranken Kindern in über 90%. Eine nicht unerhebliche Zahl an verfügbaren verkehrsfähigen Medikamenten ist nicht für alle eingesetzten Indikationen nach § 40 AMG geprüft und zugelassen worden. Zu höheren Heilungsraten, längerer Überlebenszeit und verbesserter Lebensqualität in der heutigen Tumorbehandlung hat in nicht unerheblichen Maße der auf der Basis des medizinischen Kenntnisstandes beruhende Einsatz von verkehrsfähigen , das Krebswachstum eindämmenden Medikamenten auch außerhalb der zugelassenen Indikationen – aber nach den Regeln der ärztlichen Kunst eingesetzt – beigetragen.

Die Deutsche Krebsgesellschaft hat unter Federführung der Arbeitsgemeinschaft für Internistische Onkologie zusammen mit allen klinisch wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaften der Deutschen Krebsgesellschaft die Erstellung einer sogenannten Indikationsliste für verkehrsfähige Medikamente in Auftrag gegeben, die aufgrund des evidenzbasierten medizinischen Kenntnisstandes unverzichtbar für die Krebsbehandlung sind. Eine derartige „Arzneimittelleitlinie für die Onkologie“ stellt gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Qualitätssicherung in der Onkologie dar. Die Indikationsliste wird nach den Prinzipien der amerikanischen Versicherungsgesellschaften zur Kostenerstattung des Off-Label-Use von Arzneimitteln erarbeitet.

Parallel dazu hat das Bundesministerium für Gesundheit dem Vortrag der Deutschen Krebsgesellschaft entsprochen und eine sogenannte „Off-Label-Use“-Kommission beim Bundesinstitut für Arzneimittel eingerichtet, die sich der Behebung des Versorgungsproblems annehmen soll.
Nur so wird sich der medizinische Versorgungsstandard von krebskranken Erwachsenen und Kindern in Deutschland sichern lassen. Anderenfalls droht eine Unterversorgung von Krebskranken durch qualitativ unterwertige Therapieverfahren oder gar eine Fehlversorgung durch den wirtschaftlichen Ruin nach Regressforderungen und damit dem Fehlen von onkologischen Fachärzten.

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