Virtueller Runder Tisch - Zukunft Gesundheit
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Warum ist dieses Thema für alle Beteiligten im Gesundheitswesen wichtig?
Unter welchen Voraussetzungen kann ein Arzt Medikamente, die nicht für eine bestimmte Indikation zugelassen sind, so verordnen, dass sie die Kasse auch bezahlt?

Insbesondere für Patienten mit chronischen Krankheiten wie Multipler Sklerose oder Krebserkrankungen – darunter auch viele Kinder – ist das Thema relevant, da eine der Möglichkeiten, mit der Situation umzugehen, das Ausstellen eines Privatrezeptes ist. Das müssen die Patienten dann selbst bezahlen. Da es sich in der Regel um teure Medikamente handelt, kommen Patienten und ihre Ärzte in eine schwierige Situation.

Auch Gesundheitspolitiker und Juristen sind gefragt: Denn der Off-Label-Use betrifft das Arzneimittelrecht und das Sozialrecht. Bestehende Regelungen in diesen Gesetzeswerken bezüglich Off-Label-Use müssten, so die Ansicht vieler Experten, besser aufeinander abgestimmt werden. Ebenso müssten Änderungen in einem Regelwerk auch vergleichbar mit entsprechenden Regelungen in dem anderen Gesetzeswerk sein, denn die für den Off-Label-Use geltenden gesetzlichen Bestimmungen greifen ineinander.

Die Krankenkassen ihrerseits sind verpflichtet, auf eine wirtschaftliche Verwendung der ihnen durch die Beiträge der Versichertengemeinschaft zur Verfügung gestellten Gelder zu achten. So orientieren sie einerseits auf eine Senkung der Arzneimittelkosten, sind aber andererseits auch angehalten, ihren Versicherten die zur Therapie bestmögliche Versorgung angedeihen zu lassen.

Für die Ärzte besteht die Verpflichtung, ihre Patienten optimal nach dem Stand des ärztlichen Wissens zu behandeln. Bei der medikamentösen Therapie kann in vielen Bereichen auf den Off-Label-Einsatz nicht verzichtet werden. In der pädiatrischen Onkologie (Behandlung von Krebs bei Kindern) sind z.B. 90 Prozent der Präparate nicht für den pädiatrischen Versorgungsbereich zugelassen.

Oft gibt es für seltene Tumoren überhaupt kein zugelassenes Medikament. Durch die geltenden Regelungen stehen jedoch gerade Onkologen oft vor der Frage, wider besseres Wissen und gegen die eigene ärztliche Verpflichtung Therapieverfahren nicht anwenden zu dürfen und sich damit zivilrechtlich haftbar zu machen. Oder sie gehen das Risiko ein, drei oder vier Jahre später mit einer hohen Regressforderung konfrontiert zu werden.
Erstellt 2003-03-16 16:35:04
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