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Was ist die Verordnungsrealität? Beispiele aus dem onkologischen Alltag

1. Eine Patientin mit metastasiertem Mammakarzinom hält Gemcitabin (Gemzar (R)) von ihrem behandelnden Onkologen als Drittlinientherapie. Es gibt zwei kostengünstigere Präparate. Zur wissenschaftlich begründeten Wirksamkeit von Gemcitabin mit methodisch einwandfrei kontrollierten Studien gibt es jedoch verschiedene Standpunkte. Die Nebenwirkungen wie Haarausfall sollen in jedem Fall weniger ausgeprägt sein.

2. Die Chemotherapie mit 5 FU (5 - Fluor-Uracil) ist zwar für die Behandlung des metastasierten Colonkarzinoms, nicht aber für die adjuvante Behandlung des Colonkarzinoms zugelassen. Sie ist aber klar und unzweifelhaft mit wissenschaftlich kontrollierten Daten belegt. Diese Therapie wird von den Kassen übernommen.


3. Patienten mit seltenen Erkrankungen wie z.B. Dünndarmkarzinom: Die Erkrankung ist zu selten, als dass sich Phase II Studien mit großen Patientenzahlen durchführen ließen. Oft sind nur Fallberichte verfügbar. Es wird dann nach der „besten verfügbaren Evidenz“ behandelt. Haftungsrechtlich und berufsrechtlich ist der behandelnde Arzt jedoch verpflichtet, dem Patienten eine effektive Behandlung nicht vorzuenthalten.

4. Ein Patient mit metastasiertem Kopf/Hals-Karzinom erhält Taxane in der Zweitlinientherapie, da die Erstbehandlung mit Platin ausgeschöpft ist und es zum Rezidiv gekommen ist. Hier gibt es bereits methodisch einwandfrei und systematisch erarbeitete Studien, die eine Zulassung stützen. Diese wird sich jedoch noch zeitlich hinziehen. Der Patient, der meistens auch noch Kenntnis dieser wissenschaftlichen Daten hat, beansprucht die dringliche Behandlung .

5. Patienten mit hochmalignen Lymphomen erhalten das so genannte CHOP-Schema. Bei dieser Chemotherapie wird auch Doxirubicin angewendet, das jedoch kardiotoxisch ist. Ein Lymphompatient mit einer Kardiomyopathie sollte Doxirubicin deshalb nicht bekommen. Besser verträglich wäre ein liposomales Doxirubicin, das jedoch teurer und nur für das metastasierte Mammakarzinom und das Kaposi-Sarkom zugelassen ist. Auch ein solcher Fall kommt im onkologischen Alltag nicht selten vor. Ein klassisches Medikament kann aufgrund seiner Nebenwirkungen nicht gegeben werden. Es gibt aber ein wirksames teureres Medikament, das diese Nebenwirkungen kaum oder nicht hat, jedoch für diese Indikation nicht zugelassen ist.
 
Erstellt 2003-03-16 16:39:14
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