Virtueller Runder Tisch - Zukunft Gesundheit
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Lesestoff für Ulla Schmidt
Berlin. Nach den mindestens 16 Gesundheitsreförmchen der Bundesrepublik ist es überfällig –das erste deutsche Lehrbuch zur Gesundheitspolitik. Am Montag wurde es in Berlin vorgestellt. Seine Autoren sind Prof. Dr. Rolf Rosenbrock und Dr. Dr. Thomas Gerlinger, beide vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung.

Analyse und Blick in die Zukunft zugleich soll es nach dem Willen der Autoren sein. Dabei haben sie, so Rosenbrock, z. B. zwei Faktoren verstärkt herausgearbeitet, die nach ihrer Auffassung in der gegenwärtigen gesundheitspolitischen Debatte trotz gegenteiliger Beteuerungen zu kurz kommen – die Prävention und die Pflege. Rosenbrock legt Wert darauf, dass das Ziel von Gesundheitspolitik schlichtweg Gesundheit sein sollte, nicht aber die Senkung der Lohnnebenkosten oder andere Finanzaspekte. Vor den Kosten zur Risikobearbeitung, also der Behandlung von Krankheiten, komme, so der langjährige Gesundheitspolitik-Berater – u. a. Mitglied im „Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen“ – die Risikovermeidung. Hier greife auch die gegenwärtige Gesundheitsreform zu kurz.

Rosenbrock kritisierte, dass die Praxisgebühr ohne Zweifel mehr Geld in die Krankenkassen bringe – aber zu welchem Preis! Wie internationale Erfahrungen zeigen, gehen Geringverdiener seltener zum Arzt, wenn eine solche Gebühr ihre Geldbörse belastet. Das wiederum führt später zu erhöhter finanzieller Belastung des Gesundheitssystems, von den individuellen Leiden der Betroffenen ganz abgesehen.

Ex-Gesundheitsministerin Andrea Fischer, die der Vorstellung des Buches beiwohnte, bedauerte, dass sie zu ihrer Amtszeit noch nicht nachschlagen konnte, und empfahl es den heutigen Gesundheitspolitikern als Lektüre...

Rosenbrock/Gerlinger „Gesundheitspolitik. Eine systematische Einführung“, erschienen bei Verlag Hans Huber, Bern 2004, ISBN 3-456-84022-5
 
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