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Hauptstadtkongress - viele Fragen blieben offen
Berlin. Für ein Wahljahr außergewöhnlich: Staatssekretär SPD (Klaus Theo Schröder, Gesundheitsministerium) lobt MdB CDU (Ulf Fink, Hauptstadtkongressorganisator). Der von ihm, einstmals Gesundheitssenator in Berlin-West, bereits zum 5. Mal organisierte Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit Mitte Mai in Berlin führte wieder einmal alles zusammen, was im deutschen Gesundheitswesen Rang und Namen hat.

"Deutschlands führender fachübergreifender Kongress steht im Zeichen eines Neustarts im Gesundheitswesen" hieß die Parole und dementsprechend freudigerregt zeigten sich die Protagonisten. Wahlkämpferische Töne waren selten.

Wenn es einen Dreh- und Angelpunkt dieses Kongresses gab, dann war es die patientenzugewandte Komponente, die alle eifrig bedienten.
Kein Forum über Disease Management, keine Debatte über Gesundheitsanbieter, keine Ausführungen über Qualitätsoffensiven, die ihn nicht beschworen, den allgegenwärtigen, auf diesem Kongress aber permanent abwesenden Patienten.

Was aber will der? Will er Grund- und Wahlleistungen, so ihm irgendwann einmal einer erklärt, was dies ist? Will er generell mehr Beitrag bezahlen und solidarisch sein? Was heißt das überhaupt – solidarisches Gesundheitssystem? Ist es ihm egal, wer seine Daten verwaltet? Oder möchte er nicht selber ein Auge drauf haben? Will er wissen, was die Rheumabehandlung kostet, oder nur dann, wenn er selber noch was drauflegen muss? Nie werden all diese Fragen so offenbar, wo sie keiner stellt. Denn die Experten von KBV-Chef über Gesundheitsökonom und Gesundheitspolitiker beantworten sie am liebsten selber.

Nur einer versuchte sich in der Patientenposition, aber zugegebenermaßen auf hohem Niveau. Prof. Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, sprach, nicht zum ersten Mal in solch einem Kreis, vom Gesundheitswesen auf dem aus seiner Sicht unumgänglichen Weg in einen erfolgversprechenden Wettbewerb. Einig war man sich darin, dass Transparenz und Patienteninformation gewissermaßen höchstes Gut sei.

Für Patienten gab es am letzten Tag des Hauptstadtkongresses doch noch etwas zu hören: über Sexualität im Alter, den diabetischen Fuß, Brustvergrößerung . Nichts über Patienteninformation. Obwohl sich gerade jetzt in Berlin Selbsthilfegruppen und Ärztekammer zu einer Arbeitsgruppe zusammengefunden, um auf diesem Gebiet voran zu kommen.

Auch nach einem hochgelobten Kongress hat man mitunter den Eindruck, dass die wichtigsten Probleme gar nicht auf der Tagesordnung waren.
 
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