Virtueller Runder Tisch - Zukunft Gesundheit
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Wer sich zuletzt freut ...
Von Annegret Hofmann
Jetzt wird alles besser, freut sich die Ministerin. Auf Druck des Ministeriums und der Krankenkassen ist seit dem 1. Juli die Behandlung zweier Krankheiten - Brustkrebs und Diabetes - durch Disease Management Programme möglich. Patienten, die an diesen Krankheiten leiden, schreiben sich in entsprechende Programme ihrer Krankenkasse, soweit schon vorhanden, ein. Sie werden dann, sofern ihr behandelnder Arzt auch eingeschrieben ist, nach einem strukturierten Ablauf effektiv behandelt, durch eine Behandlungskette geleitet, nach dem neuesten Standard versorgt. So der Grundgedanke.

Ob das wirklich so ist, wird sich zeigen. Im Vorfeld der Einführung der ersten DMP gab es jedenfalls eine Menge Ärger. Kassen wollen so viele Patienten wie möglich einbinden, weil es ihnen, im Rahmen des so genannten Risikostrukturausgleichs, Geld bringt. Ärzte wollen sich ihre Behandlungssouveränität nicht nehmen lassen, sprechen von Checklistenmedizin (Ärztekammerpräsident Hoppe).

Zwischen Kassen und Ärzteschaft ist der Streit um die Patientendaten immer noch nicht beigelegt. Die einen, die Kassen, wollen sie haben, die anderen, die Ärzte, nicht herausgeben.

DMP, oder auch, genauso unsäglich, Chronikerprogramme, sollen Patienten wirkungsvoller versorgen und dem Gesundheitssystem auf längere Frist Geld sparen helfen. Ob das funktioniert, wird sich zeigen.

Der wichtigste Mitspieler, der Patient, die Patientin, steht immer noch irgendwie außen vor. Ohne seine/ihre aktive Mitwirkung bei den Diabetikerschulungen, bei der Medikamenteneinnahme, bei der Einhaltung von Arztterminen, geht nämlich bei den DMP gar nichts. Hat sich jemand von all den Protagonisten, die seit Monaten von nichts anderem als von DMP reden, die Mühe gemacht, die Patienten umgehend zu informieren, zu befragen, zur Entscheidung zu befähigen? Eher nicht.

Die Öffentlichkeitsarbeit ging nicht über einige Faltblätter diverser Krankenkassen hinaus. Telefonaktionen sollen Hunderte eingeschriebener Diabetespatienten gebracht haben. Alles Schwindel, sagen die Patienten- und Selbshilfeverbände vor allem bei den Diabetikern, eigentlich herrsche nur Angst und Unsicherheit unter den Betroffenen. Von einer Senkung des Behandlungsstandards ist die Rede.

Strukturierte Programme zu entwickeln, die dazu gehörenden wissenschaftlichen Grundlagen wie Leitlinien, nach denen Ärzte arbeiten können, vorzulegen - das alles dauere Zeit, meinen Experten. Die aber blieb kaum, weil es darauf ankam, die DMP noch vor der Bundestagswahl auf den Weg zu bringen. Das könnte sich als Bärendienst an den Patienten erweisen.

Zur ministerlichen Freude dürfte noch Zeit genug sein, wenn sich auch die Patienten freuen.
 
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Thomas Geiger, Gast: Patienten ermächtigen
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