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Ärzte als Interessenvertreter von Patienten? Gut gemeint, aber überflüssig
Von Annegret Hofmann
Würden Sie es Ihrem Automechaniker überlassen, Ihre Belange bei der Mitgliedschaft in einem Automobilclub zu vertreten? Soll er über die Höhe Ihrer Kraftfahrzeugsteuer entscheiden? Oder über die Farbe Ihres Fahrzeugs?
Die Antwort erübrigt sich.
Wenn die Kassenärztlichen Vereinigungen, von deren Existenz nur die wenigsten Bundesbürger überhaupt etwas wissen, jetzt ihr Image aufpolieren, tun sie das nach eigener Aussage auch mit Hinblick auf die Patienten. "Wir Ärzte kennen deren Sorgen und Probleme und machen uns zu ihrem Interessenvertreter", meinte deshalb auch der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. med. Manfred Richter-Reichhelm, bei der Vorstellung einer Kampagne, die die Existenzberechtigung der KVen und der KBV öffentlich machen soll.
Tatsächlich haben es die Standesvertretungen der Ärzteschaft nötig, an ihrem Ansehen zu arbeiten. Nicht unbedingt deshalb, weil einzelne Ärzte den Ruf der Branche durch Pfusch oder Geldgier oder beides untergraben, das gibt es auch in anderen Berufsgruppen.
Vielmehr muss sich die Ärzteschaft den Vorwurf gefallen lassen, durch die vorhandenen Strukturen Fortschritte im Gesundheitssystem zu verhindern.
Zum Beispiel die Integrierte Versorgung. Mit dem Begriff können zwar viele Patienten nichts anfangen, aber dass sie ihn wollen, besagt z. B. eine aktuelle Umfrage der Barmer Ersatzkasse. Dabei sprachen sich fasst 12.000 Versicherte dafür aus, dass niedergelassene Ärzte, Krankenhäuser und Krankenkassen besser zusammen arbeiten. Nichts anderes will integrierte Versorgung.
Patienten wollen, auch das sagen Umfrageergebnisse, so z. B. die Bevölkerungsstudie von Janssen-Cilag, mehr Behandlungsqualität, auch wenn sie dafür unter Umständen mehr zahlen müssen. Auch diese Qualität wollen Ärzte oft nur schwer unter Beweis stellen. Über Jahre zieht sich inzwischen der Streit um eine Fortbildungspflicht von Ärzten hin.
Mag es in der täglichen Praxis des Hausarztes vielleicht auch anders scheinen: Der Medizinbetrieb - das sind wichtige, ja lebenswichtige Dienstleistungen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Viele Patienten sehen das längst so.
Wissen Ärzte wirklich, was Patienten wollen? Oder hören sie nur heraus, was sie hören wollen? Es wird Zeit, dass Versicherte und Patienten ihre eigenen Interessenvertreter werden. Als gleichberechtigte Partner auch von Ärzten, mit denen man nicht immer die gleichen Interessen und Meinungen haben muss. Und das ist dann so wie mit dem Meister in der Autowerkstatt ...
 
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